Patientengeschichte
Interessanter Fall...
Ein 16-jähriger Fussballspieler meldete sich vor einem halben Jahr bei mir in der Praxis.
Diagnose
Beinahe vollständige Ablösung des M. adduktor magnus inkl. knöchernem Abriss (Avulsion) am Ramus os Ischium rechts. Status nach Hamstringsverletzung und aktuellem Osgood Schlatter rechts. Die MRIBilder zeigen einen Längsriss im Os ischium beginnend kurz ventral beim Tuber ischiadicum, weiterlaufend bis zu Ramus inferior des Os pubis; es hatte sich auch eine relativ grosse MengeFlüssigkeit rund um die Läsion angesammelt.
Informationen aus der Anamnese
Der Patient hat sich beim Arzt gemeldet weil er einen Druck auf der Blase spürte und ihn das Wasserlösen schmerzte. Im Bereich der Adduktoren waren geringe Schmerzen spürbar. Die vollständigeUntersuchung von Blut- und Urinwerten u.v.a. durch den Sportarzt, ergaben keine Auffälligkeiten im Urogenitaltrakt. Der Patient konnte sich, abgesehen von einer alten Hamstringsverletzung voreinem Jahr -welche sich zusehends chronifiziert hatte, an kein Trauma (Zerrung) oder Bewegung im Sport (Freizeit) als möglichen „Auslöser“ für diese Beschwerden erinnern. Er konnte mithundertprozentigem Einsatz Fussball spielen; er hatte lediglich leichte Schmerzen nach dem Match.
Wie konnte diese Verletzung entstehen?
Ich habe die Anamnese erweitert und nach vielen Details gefragt, so zum Beispiel nach seinem Krafttraining, Übungen, warm up und cool down. Dabei schilderte der Patient ein leichtes Ziehen in denAdduktoren – diese dehnt er seit einigen Monaten intensiv. Er führte Dehnübungen (in Socken) auf einem rutschigen Fussboden durch- schlussendlich konnte er symptomfrei einen Spagat machen!
Konklusion: Der Patient hat durch intensives passives Dehnen eine „Osgood Schlatter“ artige Avulsion des unteren Schambeinastes entwickelt. Das Ablösen eines Muskel- undSehnenansatzes mit Knochen kommt in diesem Alter öfters vor (eben: Osgood Schlatter). Im Beckenbereich wird diese Pathologie gemäss meiner Recherchen eher selten festgestellt (es sind lediglicheinige Fälle beschrieben). Der Patient war vier Monate in sportphysiotherapeutischer Behandlung. Der Knochen ist komplett verheilt, auch die Hamstrings haben sich zu 100 % erholt und der Patientspielt wieder Fussball.
Arjen van Duijn