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Beinachsenkontrolle neu gedacht: Stabilität durch Variabilität

Von Jochen Ganzmann und Stefan Lerch (CoreKnowledge)


Anmerkung der SART-Redaktion:

Dieser Beitrag reflektiert die individuelle Einschätzung und den fachlichen Behandlungsansatz des Autors und stellt keine offizielle Position oder Empfehlung der SART dar.


Das klassische zweidimensionale Narrativ der Beinachse

„Dein Knie fällt nach innen – das ist ein Valgus. Das ist schlecht.” Oder: “Wir müssen die Beinachse korrigieren.“

Dies führt im Alltag vieler Trainings- und Therapiesituationen zInstruktionen wie:

„Stabilisiere dein Knie über dem zweiten Zeh.“
„Halte Hüfte, Knie und Fuss in einer Linie.“
„Lass das Knie nicht nach innen fallen.“

Hinter diesen Instruktionen steht ein verbreitetes Narrativ: Es geht davon aus, dass es eine ideale, neutrale Beinachse gibt und dass Abweichungen davon als Fehler zu betrachten sind. Entsprechend gilt es im Training und in der Rehabilitation, diese Abweichungen durch explizite Instruktionen gezielt zu korrigieren.

Doch folgt menschliche Bewegung tatsächlich einem idealen Achsenmodell – oder ist diese Vorstellung zu einfach?

Was wissen wir über die dynamische Beinachse?

Bestimmte Bewegungsmuster können das ACL-Ruptur-Risiko erhöhen

Ein dynamischer Valgus in Kombination mit geringer Knie- und Hüftflexion, Rumpfauslenkung zur Standbeinseite sowie tibialer Rotation kann die Belastung auf das vordere Kreuzband deutlich erhöhen. In solchen Situationen können innerhalb von Millisekunden Kräfte entstehen, die die strukturelle Belastbarkeit des Bandes überschreiten. [1], [2]

Training kann das Verletzungsrisiko reduzieren

Gezieltes Training – insbesondere Krafttraining sowie neuromuskuläres und sensomotorisches Training – kann das Risiko für Verletzungen der unteren Extremität signifikant reduzieren. Diese Trainingsformen sind deshalb ein zentraler Bestandteil sowohl der Prävention als auch der Rehabilitation. [3], [4], [5]

Warum das Fehlstellungs-Narrativ zu kurz greift

Ein Beispiel aus dem Krafttraining verdeutlicht, wie schwierig es ist, Bewegungen nur über Gelenkpositionen zu bewerten. Bei Gewichthebern lässt sich beim Aufstehen aus der tiefen Hocke häufig eine Innenrotation der Hüfte beobachten. Diese Bewegung wird nicht zwingend als Fehler interpretiert, sondern kann eine funktionelle Strategie sein, um bestimmte Muskelgruppen – etwa den Gluteus maximus und den Adductor magnus – effektiver zu belasten. [6], [7]

Eine Bewegung, die oberflächlich wie eine „Abweichung“ aussieht, kann durchaus eine leistungsorientierte Anpassung sein. [8], [9]
Entscheidend ist also der Kontext: Ein unkontrollierter Valgus bei geringer Beugung und hoher Geschwindigkeit kann das Verletzungsrisiko erhöhen [10], während ein dynamischer Valgus unter Last in einer tiefen Hocke häufig eine harmlose oder funktionelle Anpassung darstellt.

Das Verletzungsrisiko ist komplex

Verletzungen entstehen selten durch einzelne „Fehlbewegungen“, sondern durch das Zusammenspiel biologischer, psychologischer und umweltbezogener Faktoren in einem komplexen System. [11], [12]

Für Prävention und Rehabilitation bedeutet das: Entscheidend ist weniger die Korrektur einzelner Bewegungsparameter als die Entwicklung von Anpassungsfähigkeit, Variabilität und Belastungstoleranz.

Gerade nach ACL-Verletzungen zeigt sich die Bedeutung dieses Ansatzes, da neben strukturellen Veränderungen auch neuroplastische Anpassungen im motorischen System auftreten können. [13]

Die Schlussfolgerung – Ziel uKiB

Prävention und Rehabilitation nach ACL-Verletzungen sollten gezielt Prinzipien des motorischen Lernens nutzen, um neuroplastische Anpassungen zu fördern und adaptive Bewegungsstrategien zu entwickeln. Variabilitätsbasiertes, aufgabenorientiertes Training – wie es in Ansätzen der dynamischen Systemtheorie, der ökologischen Psychologie oder der nicht-linearen Pädagogik beschrieben wird – unterstützt diese Anpassungsfähigkeit. [14], [15] Kurz gesagt: Ziel moderner Rehabilitation ist uKiB – unbewusste Körperkontrolle in Bewegung. (Mehr über uKiB hier).

Variabilität als Voraussetzung für Belastbarkeit

In der motorischen Lernforschung werden verschiedene Prinzipien beschrieben, die diesen Prozess unterstützen. Dazu gehören unter anderem externer Fokus, Autonomie im Lernprozess, gezieltes Feedback sowie die Gestaltung der Aufgabenbedingungen im Sinne des Constraints-Led Approach.

In diesem Blog möchten wir jedoch einen Aspekt besonders hervorheben: die Rolle der Bewegungsvariabilität. Bereits Bernstein beschrieb Variabilität als Grundprinzip menschlicher Bewegung. Moderne Forschung zeigt, dass sie eine zentrale Rolle für motorisches Lernen und Anpassungsfähigkeit spielt. [16], [17], [18]

Definition: Bewegungsvariabilität

Bewegungsvariabilität beschreibt die natürlichen Unterschiede, mit denen eine Bewegung von Wiederholung zu Wiederholung ausgeführt wird. Selbst bei identischen Bedingungen gleicht keine Bewegung exakt der anderen – bereits beim Gehen ist kein Schritt identisch mit dem vorherigen. [18], [19] Diese Variabilität ist kein Fehler, sondern ein grundlegendes Merkmal biologischer Bewegung und ermöglicht Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit.

Nicht jede Variabilität ist jedoch funktionell. Veränderungen der Bewegungsvariabilität können auch Ausdruck eingeschränkter neuromuskulärer Kontrolle, Ermüdung oder Pathologie sein. Solche Veränderungen werden in der Forschung als potenzieller Hinweis auf veränderte Bewegungsorganisation interpretiert, ihre Aussagekraft für das Verletzungsrisiko ist jedoch begrenzt und stark kontextabhängig. [20], [21]

Variation und Variabilität

In diesem Zusammenhang bezeichnet Variation die gezielte Veränderung der Aufgabenbedingungen im Training, etwa durch unterschiedliche Ausgangspositionen, Tempi, Untergründe oder Reaktionsaufgaben. Variabilität ist die natürliche Folge dieser Variation: Das Bewegungssystem entwickelt unterschiedliche Lösungen, um die Aufgabe zu bewältigen. [16]

Die Übungsvideos in diesem Blog sind Beispiele für variationsorientiertes, aufgabenorientiertes Training. Dieser Ansatz orientiert sich an Prinzipien der dynamischen Systemtheorie, der ökologischen Psychologie und der nicht-linearen Pädagogik [14], [22], [23], [24] Wichtig: Die gezeigten Übungen sind Beispiele. Entscheidend ist nicht die einzelne Übung, sondern die Variation der Aufgabenbedingungen.


Variabilitätsbasierte Trainingsansätze wie Differential Learning oder Nonlinear Pedagogy verbessern nachweislich kinematische und kinetische Risikofaktoren für ACL-Verletzungen – etwa durch reduzierte Knievalgusmomente und veränderte Bewegungsstrategien – und zeigen dabei bessere Effekte als klassisches technikorientiertes Training. [24], [25]

Aufgabenvariation in der Praxis

Beim Step-down kann dies bedeuten, die Abstiegshöhe, das Bewegungstempo zu variieren oder einen externen Fokus zu setzen, etwa das kontrollierte Absetzen der Ferse auf einem Zielpunkt.

Der Patient erhält damit die Möglichkeit, eigenständig eine funktionale Lösung zu finden, bei der sich die Beinachse selbstorganisiert. Der therapeutische Fokus liegt weniger auf der bewussten Kontrolle der Kniegelenkstellungen, sondern auf der Bewältigung der Aufgabe unter veränderten Bedingungen. Dadurch wird nicht nur die Selbstwirksamkeit des Patienten gestärkt, sondern auch die Fähigkeit, mit variablen Belastungssituationen im Alltag umzugehen.

Gleichzeitig verändert sich die therapeutische Beziehung: Der Therapeut agiert weniger als korrigierender Experte, sondern vielmehr als Gestalter des Lernprozesses, der den Rahmen für selbstorganisiertes Lernen schafft.

Fazit

Die perfekte Beinachse ist ein Mythos. Bewegung ist variabel, und genau diese Variabilität ermöglicht Anpassung und Belastbarkeit. Gute Rehabilitation trainiert deshalb nicht eine ideale Bewegung, sondern ein System, das unter REALEN Bedingungen robust funktioniert.

Stell dir folgende Fragen: 

Ist die Übung jedes Mal ein klein wenig anders?
Muss der Patient gleichzeitig denken oder reagieren?
Hat mein Patient ein externes Ziel?
Spreche ich weniger als 10% der Zeit über die Anatomie?

Diskussion erwünscht: Deine Erfahrung zählt!

Wie nutzt du Aufgabenvariation in deiner Praxis oder im Training? Teile deine Erfahrungen, Ideen oder Herausforderungen – wir sind gespannt auf den Austausch in den Kommentaren.


Literatur:

[1] Della Villa F, Buckthorpe M, Grassi A, Nabiuzzi A, Tosarelli F, Zaffagnini S, et al. Systematic video analysis of ACL injuries in professional male football (soccer): injury mechanisms, situational patterns and biomechanics study on 134 consecutive cases. Br J Sports Med. 2020;54(23):1423-32.

[2] Rekik RN, Bahr R, Cruz F, Read P, Whiteley R, D’Hooghe P, et al. Mechanisms of ACL injuries in men’s football: A systematic video analysis over six seasons in the Qatari professional league. Biology of Sport. 2022.

[3] Lauersen JB, Bertelsen DM, Andersen LB (2014) The effectiveness of exercise interventions to prevent sports injuries: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Br J Sports Med 48:871–877. https://doi.org/10.1136/bjsports-2013-092538

[4]Thorborg K, Krommes KK, Esteve E, et al (2017) Effect of specific exercise-based football injury prevention programmes on the overall injury rate in football: a systematic review and meta-analysis of the FIFA 11 and 11+ programmes. Br J Sports Med 51:562–571. https://doi.org/10.1136/bjsports-2016-097066

[5]Maestroni L, Turner A, Papadopoulos K, et al (2023) Total Score of Athleticism: Profiling Strength and Power Characteristics in Professional Soccer Players After Anterior Cruciate Ligament Reconstruction to Assess Readiness to Return to Sport. Am J Sports Med 51:3121–3130. https://doi.org/10.1177/03635465231194778

[6] Chiu LZF. „Knees Out“ or „Knees In“? Volitional Lateral vs. Medial Hip Rotation During Barbell Squats. J Strength Cond Res. 2024 Mar 1;38(3):435-443. doi: 10.1519/JSC.0000000000004655. Epub 2023 Dec 13. PMID: 38416444.

[7] Vigotsky A, Bryanton M. 2026 RELATIVE MUSCLE CONTRIBUTIONS TO NET JOINT MOMENTS IN THE BARBELL BACK SQUAT 40th Annual Meeting of the American Society of Biomechanics, Raleigh, NC, USA, August 2nd – 5th,

[8] Bartlett R, Wheat J, Robins M (2007) Is movement variability important for sports biomechanists? Sports Biomechanics 6:224–243. https://doi.org/10.1080/14763140701322994

[9 ]Davids K, Glazier P, Araujo D, Bartlett R (2003) Movement Systems as Dynamical Systems: The Functional Role of Variability and its Implications for Sports Medicine. Sports Medicine 33:245–260. https://doi.org/10.2165/00007256-200333040-00001

[10] Hewett TE, Myer GD, Ford KR, et al (2005) Biomechanical Measures of Neuromuscular Control and Valgus Loading of the Knee Predict Anterior Cruciate Ligament Injury Risk in Female Athletes: A Prospective Study. Am J Sports Med 33:492–501. https://doi.org/10.1177/0363546504269591

[11] Bittencourt NFN, Meeuwisse WH, Mendonça LD, et al (2016) Complex systems approach for sports injuries: moving from risk factor identification to injury pattern recognition—narrative review and new concept. Br J Sports Med 50:1309–1314. https://doi.org/10.1136/bjsports-2015-095850

[12]Fonseca ST, Souza TR, Verhagen E, et al (2020) Sports Injury Forecasting and Complexity: A Synergetic Approach. Sports Med 50:1757–1770. https://doi.org/10.1007/s40279-020-01326-4

[13] Gokeler A, Nijmeijer EM, Heuvelmans P, et al (2023) Motor learning principles during rehabilitation after anterior cruciate ligament injury: Time to create an enriched environment to improve clinical outcome. Arthroskopie 36:164–170. https://doi.org/10.1007/s00142-023-00606-1

[14] Gokeler A, Neuhaus D, Benjaminse A, et al (2019) Principles of Motor Learning to Support Neuroplasticity After ACL Injury: Implications for Optimizing Performance and Reducing Risk of Second ACL Injury. Sports Med 49:853–865. https://doi.org/10.1007/s40279-019-01058-0

[15] Welling W (2024) Return to sports after an ACL reconstruction in 2024 – A glass half full? A narrative review. Physical Therapy in Sport 67:141–148. https://doi.org/10.1016/j.ptsp.2024.05.001

[16] Ranganathan R, Newell KM (2013) Changing Up the Routine: Intervention-Induced Variability in Motor Learning. Exercise and Sport Sciences Reviews 41:64–70. https://doi.org/10.1097/JES.0b013e318259beb5

[17] Birklbauer, J. (2019) Optimal variability for effective motor learning: A theoretical review and empirical work on movement variability.(Spektrum Bewegungswissenschaft, Vol. 9). Aachen: Meyer & Meyer Verlag.

[18] Bernstein, N. A. (1967). The Coordination and Regulation of Movements. Oxford: Pergamon Press. Online verfügbar über archive.org

[19] Dingwell JB, Cusumano JP (2000) Nonlinear time series analysis of normal and pathological human walking. Chaos: An Interdisciplinary Journal of Nonlinear Science 10:848–863. https://doi.org/10.1063/1.1324008

[20] Hamill, J., van Emmerik, R. E. A., Heiderscheit, B. C., & Li, L. (2012).
A dynamical systems approach to lower extremity running injuries.
Clinical Biomechanics, 27(3), 297–308.

[21] Stergiou N, Decker LM (2011) Human movement variability, nonlinear dynamics, and pathology: Is there a connection? Human Movement Science 30:869–888. https://doi.org/10.1016/j.humov.2011.06.002

[22] Davids, K., Button, C., & Bennett, S. (2008). Dynamics of Skill Acquisition: A Constraints-Led Approach. Champaign, IL: Human Kinetics.

[23] Benjaminse, A., Welling, W., Otten, B., & Gokeler, A. (2017). Transfer of improved movement technique after receiving verbal external focus and video instruction. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 25, 3368–3376.

[24] Mohammadi Orangi B, Yaali R, Bahram A, et al (2021) Motor learning methods that induce high practice variability reduce kinematic and kinetic risk factors of non-contact ACL injury. Human Movement Science 78:102805. https://doi.org/10.1016/j.humov.2021.102805

[25] Ghanati HA, Letafatkar A, Shojaedin S, et al (2022) Comparing the Effects of Differential Learning, Self-Controlled Feedback, and External Focus of Attention Training on Biomechanical Risk Factors of Anterior Cruciate Ligament (ACL) in Athletes: A Randomized Controlled Trial. IJERPH 19:10052. https://doi.org/10.3390/ijerph191610052

[26] Schöllhorn, W. I., Beckmann, H., & Davids, K. (2010). Exploiting system fluctuations: Differential training in physical prevention and rehabilitation programs for health and exercise. Sports Medicine, 40(10), 865–878.


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Achillessehnenrehabilitation neu denken: Belastung und motorisches Lernen gezielt verbinden

Von Jochen Ganzmann und Stefan Lerch (CoreKnowledge)


Anmerkung der SART-Redaktion:

Dieser Beitrag reflektiert die individuelle Einschätzung und den fachlichen Behandlungsansatz des Autors und stellt keine offizielle Position oder Empfehlung der SART dar.


Die Lücke in der klassischen Rehabilitation

Wer kennt es nicht: „Ich habe schon exzentrisch trainiert – so richtig weg sind die Beschwerden nicht.“ [1] Diesen Satz hören viele von uns regelmässig in der Praxis. Trotz evidenzbasierter Belastungsprogramme bleiben Schmerzen, Unsicherheit und Bewegungseinschränkungen bestehen. Die entscheidende Frage lautet: Warum?

Tendinopathie heute: Was wir wissen

Heute besteht ein breiter Konsens: Sehne reagieren vor allem auf  ausreichend hohe und progressive mechanische Belastung, eine individuelle Dosierung, ein angemessenes Trainingsvolumen sowie genügend Zeit für strukturelle Adaptation benötigt. [18] Zudem zeigen zahlreiche Studien, dass pathologische Sehnenveränderungen auch bei beschwerdefreien Menschen auftreten. [2] Die aktive Standardtherapie folgt gemäss dem Motto: Treat the donut not the hole. [3]

Die offene Frage: Warum reicht mechanische Progression allein oft nicht aus

Für viele Menschen mit Achillessehnen-Tendinopathie reicht ein klassisches „3×15 Wadenheben“-Programm nicht aus.
Der Schmerz bleibt.
Das Vertrauen fehlt.
Die Bewegung bleibt bewusst und vorsichtig.

Warum ist das so?

Bei einer Verletzung ist nicht nur das Gewebe betroffen. Parallel kommt es zusätzlich zu Veränderungen im Nervensystem: der kortikalen Erregbarkeit und Ansteuerung motorischer Einheiten und der Art, wie Bewegung geplant und kontrolliert wird. [4]

Studien zeigen beispielsweise, dass Menschen mit Achillessehnen-Tendinopathie häufig eine reduzierte endogene Schmerzhemmung aufweisen – ein Hinweis auf veränderte zentrale Schmerzverarbeitung. [10] Gleichzeitig berichten qualitative Untersuchungen, dass Betroffene oft:

  • unklare Vorstellungen über Begriffe und Ursachen („Entzündung“, „Überlastung“) haben,
  • unsicher sind, wie viel Belastung sinnvoll oder riskant ist,
  • und Zweifel entwickeln, ob eine Rückkehr zu normalem Laufen oder Springen möglich ist.[11], [12]

Diese Aspekte machen deutlich: Rehabilitation muss mehr leisten als nur strukturelle Anpassungen der Sehne. Sie muss auch motorisches Lernen, Schmerzverarbeitung und Selbstvertrauen in Bewegung adressieren. Diese Prozesse werden zum aktuellen Zeitpunkt in der Rehabilitation oft wenig angesprochen.

Das Problem ist also nicht nur: „Die Sehne ist schwach.“ Sondern auch: Der Mensch vertraut seiner Sehne nicht mehr – und sein Nervensystem hat sich angepasst.

Die Schlussfolgerung: Ziel uKiB

Für die Therapie bedeutet das: Wir verbinden Sehnen-Load mit Wahrnehmungs-Aktions-Kopplung – und machen motorisches Lernen, zum Beispiel mit extern getaktetem Training (externally paced) zu einem festen Bestandteil der Achillessehnen-Reha.

Eingebettet ist das Ganze in unser zentrales Ziel: uKiB – unbewusste Körperkontrolle in Bewegung. Wichtig dabei: uKiB ist kein starres von Anfang an vorgegebenes System, sondern ein Zielzustand – sichere, flüssige, selbstorganisierende Bewegung. Mehr dazu hier.

Es geht nicht nur darum, 40 einbeinige Heel Raises zu schaffen. Es geht darum, morgens entspannt aufzustehen, spontan dem Tram nachzurennen oder beim Tennis reaktiv zu sprinten – ohne dass die Achillessehne ständig im Fokus steht.

Neuroplastische Periodisierung in der Rehabilitation

Neuroplastische Periodisierung beschreibt die fortlaufende, prioritätsgesteuerte Anpassung mechanischer Belastung und motorischer Lernanforderungen über den gesamten Rehabilitationsverlauf hinweg. [13] Es geht nicht um starre Phasen, sondern um flexible Progression, angepasst an Schmerz, Belastbarkeit und motorische Qualität – ein Ansatz, der aktuellen Delphi-Konsensen entspricht. [18]

Rehabilitation wird nicht nur als Anpassung von Gewebe verstanden, sondern als Lernprozess eines gesamten sensomotorischen Systems.

Konkret bedeutet das:

  • Belastungssteigerung erfolgt mechanisch und neuronal.
  • Das Nervensystem lernt, Kraft, Timing, Vorhersage und Reaktion unter steigender Last zu organisieren.
  • Erfolgreiche Reha erfordert daher eine gezielte, progressive Anpassung nicht nur der Last, sondern auch der motorischen Kontrolle.

Wird das Nervensystem nicht systematisch mitentwickelt, bleibt Bewegung häufig bewusst, vorsichtig und fragil, selbst wenn die Sehne objektiv belastbar wäre. Neuroplastische Periodisierung ersetzt die mechanische Logik nicht, sondern ergänzt sie. Mechanik bleibt die Grundlage – Lernen macht sie nutzbar.

Von Stabilität zu Variabilität – Lernen braucht gezielte Unsicherheit

Variabilität ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein gezielter Trainingsreiz. Im Rahmen der neuroplastischen Periodisierung erfüllt sie eine präzise Funktion:

Sie zwingt das Nervensystem, Bewegung nicht abzuspulen, sondern aktiv zu organisieren.

Frühe Reha-Phasen profitieren von: hoher Vorhersagbarkeit – klaren Tempi – stabilen Rahmenbedingungen

Spätere Phasen benötigen jedoch zunehmend: zeitliche Variabilität (Tempo, Rhythmus) – kontextuelle Variabilität (Richtungen, Aufgaben) – reaktive Anforderungen (unerwartete Signale)

Neuroplastische Periodisierung bedeutet also:

  • früh: Sicherheit + Rhythmus → „Belastung ist kontrollierbar“
  • später: Variabilität + Reaktion → „Belastung ist handhabbar, auch wenn sie unerwartet kommt“

Dabei gilt: Variabilität ist kein Tool der späten Rehabilitation, sondern eine Dosierungsfrage über alle Phasen hinweg, beginnend mit sehr kleinen, sicheren Dosen (minimalen Timing- und Positionsvariationen) bis hin zu zunehmender Belastbarkeit (reaktiven, kontextoffenen Bewegungsaufgaben).

Ziel ist nicht perfekte Wiederholung, sondern robuste Bewegung unter wechselnden Bedingungen.

Die evidenzielle Basis für neuroplastische Periodisierung ist aktuell noch begrenzt, basiert jedoch auf etablierten Prinzipien des motorischen Lernens und der Schmerzforschung.

Externally paced: Wenn der Takt von aussen kommt

Ein besonders praktikabler Weg, neuroplastische Periodisierung und Variabilität umzusetzen, ist externally paced Training. Hier bestimmen externe Reize das Wann und somit oft auch das Wie der Bewegung:

  • Metronom-Beats
  • visuelle Signale (Licht, Video, Partnerbewegung)
  • akustische Signale („go“ / „stop“ / „spring“)

Das ist spannend, weil externally paced Training zwingt das System aus der bewussten Innenschau heraus – hin zur Aufgabe:
„Triff den Takt.» Es handelt sich hier um einen temporalen Constraint, um eine zeitliche Aufgabe.

Was passiert?

  • Corticospinale Erregbarkeit nimmt zu.
  • Intrakortikale Hemmung nimmt ab.
  • Motorische Kontrolle: Motor-Unit-Synchronisation und freiwillige Aktivierung verbessern sich. [14], [15]

Kurzum: Neuroplastische Anpassungen, die eine optimale motorische Kontrolle begünstigen!

Praktische Umsetzung

Das Konzept der neuroplastischen Periodisierung lässt sich für deine Planung grob so denken [13]:

Rehaphase: Früh

Mechanische Intensität: niedrig
Schwerpunkt motorisches Lernen: Sicherheit und Vorhersagbarkeit
Bewegungskomplexität: einfach

Übungen: Iso-Holds, Calf Raises (=Heel Raises), beidbeinig

Beispiele motorisches Lernen: Kleine Variationen der Ausgangsbedingungen, z.B.:

  • Fussposition verändern

  • Fersenhöhe variieren

  • mit oder ohne Schuhe

  • harter oder weicher Untergrund

  • 30–45 Sekunden Belastung mit Metronom (ca. 30 bpm)

  • alternativ: Belastungsdauer über 10 ruhige Atemzüge steuern

Rehaphase: Mittel

Mechanische Intensität: moderat
Schwerpunkt motorisches Lernen: kontrollierte Koordination
Bewegungskomplexität: mehrgelenkig, aber kontrolliert

Übungen: Calf Raises, isotonisch, zunehmend einbeinig, HSR

Beispiele motorisches Lernen:

  • Tempovariationen mit Metronom (z. B. 3-1-3, 4-0-2, 2-0-2 bei 55–65 bpm)

  • kontrolliertes Stop-and-go (visuell, haptisch oder akustisch gesteuert)

  • Dual-Task-Aufgaben (z. B. rückwärts zählen)

  • vorhersehbare Richtungswechsel (z. B. kurzer Sidestep)

Rehaphase: Spät

Mechanische Intensität: hoch
Schwerpunkt motorisches Lernen: Unvorhersehbarkeit und Reaktivität
Bewegungskomplexität: offen, dynamisch, sportnah

Übungen: DVZ, Sprünge, Seilspringen

ML Beispiele:

  • reaktive Richtungswechsel

  • Hops und Bounds

  • Sprints

  • sportartspezifische Drills

  • offene Bewegungssituationen

Progression

Die Phasen dienen als Orientierung und überlappen in der klinischen Praxis. Progression erfolgt nicht primär zeitbasiert, sondern orientiert sich an:

  • Schmerzreaktion nach Belastung

  • Kraftentwicklung

  • Qualität der Bewegungsorganisation

  • Fähigkeit, motorische Aufgaben sicher zu lösen

  • Belastungstoleranz im Alltag und Sport.


Fazit

Für dich als Fachperson lässt sich der Kern so zusammenfassen:

  • Mechanik: die Achillessehne braucht klar dosierte, progressive Last – von moderatem Strain bis zu Energy-Storage-Belastungen. [7], [15]
  • Neuroplastik/Motorisches Lernen: das Nervensystem profitiert schon früh von Tempo, Rhythmus, externem Fokus und sinnvoller Variabilität. [13], [15], [17]
  • Externally paced: ein Tool aus dem motorischen Lernen, es verbindet die mechanische mit der neuroplastischen Ebene: Der Takt von aussen gibt Struktur, die Aufgabe lenkt den Fokus, Sehne und Gehirn lernen gemeinsam – uKiB wird wieder möglich. [5], [6]

Diskussion erwünscht: Deine Erfahrung zählt!

Hast du die „externally paced“-Methode in der Praxis schon angewandt oder ist sie komplett neu für dich? Egal wie deine Antwort lautet: Wir freuen uns auf deine Erfahrungen und dein Feedback in den Kommentaren!

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Gibt es die perfekte Beinachse?
Warum Varus und Valgus keine Fehlstellungen sind – und Bewegung kein Ideal braucht

Wir schauen genauer darauf, wie non-lineare Trainingsansätze und Selbstorganisation in der Praxis umgesetzt werden können. Welche Übungen fördern wirklich Belastbarkeit und Adaptionsfähigkeit der Beinachse – und warum klassische Korrekturanweisungen oft kontraproduktiv sind. Praxisnah, evidenzbasiert und direkt umsetzbar für Training und Rehabilitation.


Literatur:

[1]  P. Malliaras, C. J. Barton, N. D. Reeves, and H. Langberg, “Achilles and Patellar Tendinopathy Loading Programmes: A Systematic Review Comparing Clinical Outcomes and Identifying Potential Mechanisms for Effectiveness,” Sports Med., vol. 43, no. 4, pp. 267–286, Apr. 2013, doi: 10.1007/s40279-013-0019-z.

[2]  J. L. Cook, E. Rio, C. R. Purdam, and S. I. Docking, “Revisiting the continuum model of tendon pathology: what is its merit in clinical practice and research?,” Br. J. Sports Med., vol. 50, no. 19, pp. 1187–1191, Oct. 2016, doi: 10.1136/bjsports-2015-095422.

[3]  S. Docking, S. Rosengarten, J. Daffy, and J. Cook, “Treat the donut, not the hole: The pathological Achilles and patellar tendon has sufficient amounts normal tendon structure,” J. Sci. Med. Sport, vol. 18, p. e2, Dec. 2014, doi: 10.1016/j.jsams.2014.11.015.

[4]  E. Rio et al., “Tendon neuroplastic training: changing the way we think about tendon rehabilitation: a narrative review,” Br. J. Sports Med., vol. 50, no. 4, pp. 209–215, Feb. 2016, doi: 10.1136/bjsports-2015-095215.

[5] D. Devaprakash et al., “Free Achilles tendon strain during selected rehabilitation, locomotor, jumping, and landing tasks,” J. Appl. Physiol., vol. 132, no. 4, pp. 956–965, Apr. 2022, doi: 10.1152/japplphysiol.00662.2021.

[6]  J. R. Baxter, P. Corrigan, T. J. Hullfish, P. O’Rourke, and K. G. Silbernagel, “Exercise Progression to Incrementally Load the Achilles Tendon,” Med. Sci. Sports Exerc., vol. 53, no. 1, pp. 124–130, Jan. 2021, doi: 10.1249/MSS.0000000000002459.

[7]  N. C. Adam, C. R. Smith, W. Herzog, A. A. Amis, A. Arampatzis, and W. R. Taylor, “In Vivo Strain Patterns in the Achilles Tendon During Dynamic Activities: A Comprehensive Survey of the Literature,” Sports Med. – Open, vol. 9, no. 1, p. 60, Jul. 2023, doi: 10.1186/s40798-023-00604-5.

[8]  K. G. Silbernagel, R. Thomeé, B. I. Eriksson, and J. Karlsson, “Continued Sports Activity, Using a Pain-Monitoring Model, during Rehabilitation in Patients with Achilles Tendinopathy: A Randomized Controlled Study,” Am. J. Sports Med., vol. 35, no. 6, pp. 897–906, Jun. 2007, doi: 10.1177/0363546506298279.

[9]  J. L. Toustrup, K. D. Lyng, S. S. Hunniche, K. Mølgaard, J. L. Olesen, and H. Riel, “Increasing or decreasing load during resistance training is not associated with changes in pain among individuals with patellar tendinopathy: a randomized crossover study,” Disabil. Rehabil., vol. 47, no. 12, pp. 3167–3172, Jun. 2025, doi: 10.1080/09638288.2024.2417765.

[10]     N. Tompra, J. H. Van Dieën, and M. W. Coppieters, “Central pain processing is altered in people with Achilles tendinopathy,” Br. J. Sports Med., vol. 50, no. 16, pp. 1004–1007, Aug. 2016, doi: 10.1136/bjsports-2015-095476.

[11]     M. S. Mesiha, S. J. Obst, S. Randall, A. L. Rebar, C. K. Dittman, and L. J. Heales, “Exploring the Beliefs, Perceptions, and Experiences of Individuals With Tendinopathy: A Systematic Review and Meta-Ethnography of Qualitative Studies,” Phys. Ther., vol. 105, no. 7, p. pzaf060, Jul. 2025, doi: 10.1093/ptj/pzaf060.

[12]     D. Ruffino, I. Sancho, M. Alfonso, and P. Malliaras, “Beliefs and experiences of individuals with patellar tendinopathy following a rehabilitation program: A nested qualitative study,” Musculoskelet. Sci. Pract., vol. 77, p. 103311, Jun. 2025, doi: 10.1016/j.msksp.2025.103311.

[13]     G. Kakavas, F. Forelli, V. Korakakis, N. Malliaropoulos, and N. Maffulli, “Neuroplastic periodization in tendinopathy,” Br. Med. Bull., vol. 154, no. 1, p. ldaf006, Apr. 2025, doi: 10.1093/bmb/ldaf006.

[14]     T. Gordon, M. Jeanfavre, and G. Leff, “Effects of Tempo-Controlled Resistance Training on Corticospinal Tract Plasticity in Healthy Controls: A Systematic Review,” Healthcare, vol. 12, no. 13, p. 1325, Jul. 2024, doi: 10.3390/healthcare12131325.

[15]     J. Tallent, A. Woodhead, A. K. Frazer, J. Hill, D. J. Kidgell, and G. Howatson, “Corticospinal and spinal adaptations to motor skill and resistance training: Potential mechanisms and implications for motor rehabilitation and athletic development,” Eur. J. Appl. Physiol., vol. 121, no. 3, pp. 707–719, Mar. 2021, doi: 10.1007/s00421-020-04584-2.

[16]     K. G. Silbernagel, S. Hanlon, and A. Sprague, “Current Clinical Concepts: Conservative Management of Achilles Tendinopathy,” J. Athl. Train., vol. 55, no. 5, pp. 438–447, May 2020, doi: 10.4085/1062-6050-356-19.

[17]     L. K. Sara, L. W. Gaudette, J. R. D. Souza Júnior, A. S. Tenforde, L. Wasserman, and C. D. Johnson, “Cues to land softly and quietly result in acute reductions in ground reaction force loading rates in runners,” Gait Posture, vol. 109, pp. 220–225, Mar. 2024, doi: 10.1016/j.gaitpost.2024.02.008.

[18]   Demangeot Y, O’Neill S, Degache F, et al (2025) Exercise parameters to consider for Achilles tendinopathy: a modified Delphi study with international experts. Br J Sports Med 59:1337–1349. https://doi.org/10.1136/bjsports-2025-110183


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Vertrauen in den Prozess: Wie du Lernen statt Korrigieren verständlich erklärst

Von Jochen Ganzmann und Stefan Lerch (CoreKnowledge)


Anmerkung der SART-Redaktion:

Dieser Beitrag reflektiert die individuelle Einschätzung und den fachlichen Behandlungsansatz des Autors und stellt keine offizielle Position oder Empfehlung der SART dar.


Vom Kontrollieren zum Ermöglichen

In der letzten Folge haben wir über uKiB – unbewusste Körperkontrolle in Bewegung als Ziel moderner Physiotherapie gesprochen.
Ein zentraler Gedanke war:

Bewegungskompetenz entsteht nicht durch perfekte Instruktionen, sondern durch Erfahrung, Wahrnehmung – und Vertrauen in den eigenen Körper.

Doch genau hier beginnt die Herausforderung für uns Therapeuten.
Denn nicht zu viel zu tun widerspricht oft allem, was wir gelernt haben:
Anleiten. Kontrollieren. Korrigieren. Unterstützen. Manipulieren [1].

 

 

Die Patienten sind geprimt

Bilder wie dieses beeinflussen Patienten unbewusst. Sie formen eine Erwartungshaltung darüber, wie die Therapie und Training ablaufen – die Patienten werden dadurch mental darauf vorbereitet („geprimt“).

Sie wollen genau wissen, wie sie sich bewegen sollen/müssen, welcher Muskel wann arbeitet, wie die Haltung sein muss, wann sie atmen sollen.
Das ist verständlich – vor allem nach Schmerzerfahrungen, ärztlichen Warnungen oder Anleitungen aus dem Internet.

Doch uKiB entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Erfahrung, Ausprobieren und Selbstorganisation.
Die eigentliche Aufgabe lautet: Wie erklären wir, dass weniger Anweisung oft mehr Wirkung bedeutet?
Dass Nicht-Korrigieren kein Desinteresse ist – sondern Raum schafft für das Lernen [2]?

Sprache schafft Vertrauen

Mach den Unterschied transparent:

„Du bist es gewohnt, dass dir gesagt wird, wie du dich bewegen sollst. Heute geht es darum, dass du dich wieder bewegst, ohne darüber nachzudenken.“

Verknüpfe es mit Alltagslogik:

„Du fährst Fahrrad, ohne ans Gleichgewicht zu denken.
Du hebst dein Kind, ohne Muskeln zu zählen. Genau diese Kompetenz wollen wir wiederherstellen.“

Nicht-Korrigieren ist aktiv

„Wenn ich dich nicht korrigiere, heisst das nicht, dass ich nichts tue.
Ich beobachte, gestalte die Aufgabe (neu/um), störe vielleicht leicht –
aber ich lasse dein Nervensystem die Lösung finden, die langfristig bleibt.“

So entsteht Sicherheit ohne Kontrolle.
Denn therapeutische Zurückhaltung ist keine Passivität – sie ist Raumkompetenz. Eingegriffen wird demnach nur, um die Aufgabenstellung zu verändern, nicht um die Lösung vorzugeben.

Je weniger wir eingreifen, desto mehr übernehmen Patienten Verantwortung für ihre Bewegung.

 

Entscheidendes passiert zwischen den Interventionen

Zwischen zwei Übungen, im Moment des scheinbaren „Nichtstuns“, passiert  Wesentliches [3,4]: Das Nervensystem integriert Erfahrungen und verknüpft Wahrnehmung mit Bewegung.

Damit dein Schweigen nach der Übung nicht als Gleichgültigkeit missverstanden wird, solltest du es aktiv ankündigen:

„Ich werde dir nach der Übung bewusst ein paar Sekunden Zeit lassen, um das Erlebte zu verarbeiten. In deinem Nervensystem finden nach der Ausführung wichtige Prozesse statt, die wir nicht durch Reden stören wollen.“

Wenn du diese Pause vorher ankündigst, ist das Schweigen für dich selbst leichter auszuhalten und für den Patienten fachlich eingeordnet.

  • Reflexionsraum: Ein Rückenpatient bekommt nach dem Kreuzheben die nötige Zeit, um die eigene Bewegung zu analysieren, zu reflektieren und bewusst wahrzunehmen.
  • Schutz des inneren Dialogs: Du unterbrichst seinen internen Abgleich nicht, während er die Sicherheit und Kompetenz im eigenen Körper spürt.
  • Selbstwirksamkeit: Durch diesen Raum lernt der Patient, Verantwortung für seine Bewegung zu übernehmen, anstatt nur auf externe Korrekturen zu warten.

Prozess, nicht Verzicht

Es geht nicht darum, alles zu vergessen, was wir bisher gelernt haben, sondern im richtigen Moment loszulassen.

Am Anfang braucht es vielleicht mehr Führung. Doch mit wachsendem Vertrauen entsteht Raum für eigene Lösungen [5].

Diese Freiheit wirkt – auf beiden Seiten.

Warum das befreiend ist

Für Patienten:

  • Kein Druck, perfekt zu sein
  • Keine Angst vor „falschen“ Bewegungen
  • Wiedergewonnenes Vertrauen in den eigenen Körper

Für Therapeuten:

  • Kein Zwang, jede Bewegung zu korrigieren
  • Mehr Raum für Beobachtung, Kreativität und Beziehung
  • Freiheit, Lernräume statt Instruktionen zu gestalten

Interdisziplinäre Brücken bauen

 

Vertrauen in den Prozess endet nicht an der Praxistür. Das muss auch interdisziplinär stattfinden. Dafür benötigt es zwischen den Professionen Übersetzung.

 

Ärzte denken oft linear:

„Muskelschwäche → trainieren → stabilisieren.“

 

Trainer denken biomechanisch:

„Stabilität = Kraft + Kontrolle.“

 

uKiB denkt lernorientiert:

„Stabilität entsteht aus Variabilität, Vertrauen und Selbstorganisation.“

 

Das Ziel ist dasselbe – Sicherheit, Schmerzfreiheit, Belastbarkeit – aber die Sprache und die dahinterliegende Philosophie unterscheiden sich.

Übersetzen statt überzeugen

„Wir verfolgen dasselbe Ziel – nur über eine andere Steuerungsebene.“
„Ich setze stärker auf motorisches Lernen als auf bewusste Kontrolle.“

Das öffnet Türen, wo Diskussionen sie schliessen.

Wenn ein Arzt „Bauch anspannen“ sagt und du „Du bist eine Eiche“, erklärst du dem Patienten:

„Der Arzt meint: dein Rumpf soll stabil bleiben. Wir trainieren das heute anders – mit Bewegung statt Anspannung.“

So bleibt Vertrauen – und du führst trotzdem Richtung uKiB.

Zeig Ergebnisse, keine Theorien

In interdisziplinären Teams überzeugt kein Konzept so sehr wie Verhalten:

„Der Patient steht jetzt auf, ohne nachzudenken – und bleibt stabil.“

Und sprich in gemeinsamen Begriffen: Zudem gibt es allgemeine Begrifflichkeiten: 

  • Selbstwirksamkeit statt „unbewusste Kontrolle“
  • Funktionelle Stabilität statt „Variabilität“
  • Bewegungskompetenz statt „implizites Lernen“

So wird uKiB anschlussfähig – nicht elitär.

Fazit

Das Problem löst man nicht durch Konfrontation, sondern durch Übersetzung.
uKiB ist keine Alternative zum klassischen Denken – es ist eine Erweiterung.

Vertrauen in den Prozess bedeutet:

  • Raum statt Kontrolle
  • Lernen statt Lenken
  • Beziehung statt Anweisung

Das gilt für unsere Patienten – und für uns selbst. Denn wer Bewegung ermöglichen will, muss zuerst lernen, loszulassen.

Austausch erwünscht

Wie gelingt dir das Loslassen/ den Patienten machen lassen in der Praxis – und wann fällt es schwer? Was hilft dir, den Raum für Lernen zu gestalten?
Teile deine Gedanken oder Beispiele jetzt hier in den Kommentaren – wir greifen sie gerne in einem der nächsten Blogs auf.

Nächster Blog

Achillessehnenrehabilitation: Zwischen Belastungsaufbau und neuroplasischem Lernen

Achillessehnenrehabilitation ist nicht nur exzentrisch Belastung und HSR, sondern eine Kombinaton aus gezielter Steuerung von Belastung und motorischem Lernen. Dieser Beitrag zeigt, wie neuroplastische Progression Sehne, Nervensystem und Bewegung wieder zusammenbringt. Und warum es klinisch sinnvoller ist, nicht nur zu fragen, wie schwer eine Übung ist – sondern auch, was lernt der Patient dabei.


Bonus für dich – Die Serie als PDF

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Literatur

[1] Chow JY, Button C, Lee MCY, et al (2023) Advice from “pracademics” of how to apply ecological dynamics theory to practice design. Front Sports Act Living 5:1192332. https://doi.org/10.3389/fspor.2023.1192332

[2] Gray R (2024) Learning to be an “Ecological” Coach. (p. 277-285) Independently published https://bit.ly/4888LkX

[3] Buch ER, Claudino L, Quentin R, et al (2021) Consolidation of human skill linked to waking hippocampo-neocortical replay. Cell Reports 35:109193. https://doi.org/10.1016/j.celrep.2021.109193

[4]Bönstrup M, Iturrate I, Thompson R, et al (2019) A Rapid Form of Offline Consolidation in Skill Learning. Current Biology 29:1346-1351.e4. https://doi.org/10.1016/j.cub.2019.02.049

 

[5] Stone JA, Rothwell M, Shuttleworth R, Davids K (2021) Exploring sports coaches’ experiences of using a contemporary pedagogical approach to coaching: an international perspective. Qualitative Research in Sport, Exercise and Health 13:639–657. https://doi.org/10.1080/2159676X.2020.1765194

 


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Referenzrahmen «Exercise is Medicine» veröffentlicht


Wir freuen uns sehr, darauf hinzuweisen, dass der Referenzrahmen «Exercise is Medicine» nun finalisiert vorliegt.

 

Der Bericht wurde im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) erarbeitet und wurde am 22. Januar 2026 gemeinsam mit einer Stellungnahme des BAG offiziell veröffentlicht, unter anderem auf der Website des BAG sowie auf prevention.ch.

 

Für SART.ch ist die Publikation dieses Dokuments von besonderer Bedeutung. Entstanden in einem anspruchsvollen Umfeld, das von Sparentscheiden und einschneidenden Rahmenbedingungen geprägt war, bietet der Referenzrahmen eine wichtige fachliche Orientierung für alle Akteurinnen und Akteure im Gesundheits- und Bewegungsbereich.

 

Er macht das breite Engagement sichtbar, Bewegung als wirksamen, evidenzbasierten Bestandteil von Prävention, Behandlung und Rehabilitation im Sinne von «Exercise is Medicine» weiter zu stärken.

 

Links zu den Veröffentlichungen:

Download
20260105_StellungnahmeBAG_EIM_de.pdf
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2025_EIM_Referenzrahmen.pdf
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Referenzrahmen «Exercise is Medicine» veröffentlicht


Wir freuen uns sehr, darauf hinzuweisen, dass der Referenzrahmen «Exercise is Medicine» nun finalisiert vorliegt.

 

Der Bericht wurde im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) erarbeitet und wurde am 22. Januar 2026 gemeinsam mit einer Stellungnahme des BAG offiziell veröffentlicht, unter anderem auf der Website des BAG sowie auf prevention.ch.

 

Für SART.ch ist die Publikation dieses Dokuments von besonderer Bedeutung. Entstanden in einem anspruchsvollen Umfeld, das von Sparentscheiden und einschneidenden Rahmenbedingungen geprägt war, bietet der Referenzrahmen eine wichtige fachliche Orientierung für alle Akteurinnen und Akteure im Gesundheits- und Bewegungsbereich.

 

Er macht das breite Engagement sichtbar, Bewegung als wirksamen, evidenzbasierten Bestandteil von Prävention, Behandlung und Rehabilitation im Sinne von «Exercise is Medicine» weiter zu stärken.

 

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uKiB als Ziel der modernen Physiotherapie (1)

Von Jochen Ganzmann und Stefan Lerch (CoreKnowledge)


Anmerkung der SART-Redaktion:

Dieser Beitrag reflektiert die individuelle Einschätzung und den fachlichen Behandlungsansatz des Autors und stellt keine offizielle Position oder Empfehlung der SART dar.


Rückblick – und Aufbruch

In den ersten sieben Blogs der CoreKnowledge-Serie haben wir gemeinsam die wissenschaftlichen bewiesenen therapeutischen Grundlagen gelegt:


– von der therapeutischen Allianz über aktive Rehabilitation
– bis hin zum zentralen ZieluKiB – unbewusste Körperkontrolle in Bewegung.

Nun geht es weiter – vom Verstehen zum Handeln.
In dieser zweiten Serie zeigen wir dir, wie du dieses Wissen konkret in deinem Praxisalltag umsetzen kannst.

 

 

uKiB als Grundziel – auch dein Ziel?

Was genau hinter uKiB steckt, haben wir im Blog vom 10.12.2024 beschrieben – hier nur kurz zur Erinnerung:

uKiB steht für unbewusste Körperkontrolle in Bewegung und somit für das, was Therapie und Training im Kern ausmacht: das Erreichen von sicherer, fliessender und selbstvergessenen/intuitiver Bewegung – unabhängig von Schmerzen, Kontrolle oder Angst. (Siehe auch: uKiB-Philosophie).

Das Kundenziel deckt sich grundsätzlich meist unmittelbar mit uKiB, muss jedoch selbstverständlich abgeklärt werden, wie im SART Blog vom 21.05.2025 beschrieben.

Die Ziele formen alles. Sie bestimmen, welche Übungen du wählst, welche Sprache du verwendest – und welche Gedanken du nicht teilst [2] [3].

Beispiel: Rumpfstabilität – ein Missverständnis mit Folgen

Gibst du bei Google „Rumpfstabilität“ ein, siehst du vor allem Planks.
Viele Patienten meinen daher: „Stabilität = Bauch anspannen – fixierter Rücken“

Doch führt der Plank zu uKiB? Nein!

Nicht, weil er keinen Trainingseffekt hätte – er kann durchaus Kraft und Ausdauer fördern [4].
Aber er trägt nicht optimal zur Entwicklung unbewusster Körperkontrolle in Bewegung bei – also jener funktionellen, dynamischen Stabilität, die im Alltag, im Sport und unter Ablenkung gefragt ist [5].

Denn: Wir bewegen uns nicht wie Roboter mit starren Gelenken, sondern über variable, kontextabhängige Strategien – je nach Untergrund, Aufgabe oder innerem Zustand.

Dynamische Stabilität entsteht nicht durch bewusste Anspannung, sondern durch adaptive, dynamische Kontrolle [6].

 

uKiB verlangt andere Übungen – und eine andere Sprache

 

Wenn das Ziel uKiB ist, wählst du Übungen, die Variabilität und Selbstorganisation fördern – zum Beispiel:

  • Wind ’n’ Tree 
  • Resisted Walk_X  
  • Carries / Walk Over
  • Farm Horse

Und du sprichst nicht von „Rumpfstabilität“, sondern von Körperkontrolle – denn es geht um den ganzen Körper, nicht um isolierte Muskeln.

(Siehe auch: Missverständnis Rumpfstabilität) 


Praxisbeispiel: Wind ’n’ Tree – von Anfang an

Ein 17-jähriger Tennisspieler trägt nach einem Wirbelsäulentrauma ein Korsett und möchte wieder an Wettkämpfen teilnehmen.

Um von Anfang an die Körperkontrolle im Stehen zurückzugewinnen, ist die Übung „Wind ’n’ Tree“ mit einem gelben Theraband fester Bestandteil des Trainingsplans [7][8].

Wichtig: Du sagst nicht„Spann deinen Bauch an.“ „Zieh den Bauchnabel ein.“

Stattdessen gibst du eine Aufgabe mit holistischem Fokus [9]:
„Stell dir vor, du bist eine 100-jährige Eiche – dein Stamm bewegt sich keinen Millimeter, egal wie stark der Wind weht.“
Oder: Lege dem Patienten einen Jonglierball/Reissack auf den Kopf mit den Worten „Er darf nicht herunterfallen.“ 

Der Patient muss die Aufgabe selbst lösen – das dynamische System Mensch organisiert die Bewegung selbst [9].

Später bringst du Störungen ins System – durch deine Bewegung, unerwartete Impulse und Ablenkung. Und genau das bricht die bewusste Kontrolle – und öffnet den Raum für uKiB.

Praxisbeispiel: Schulterrehabilitation mit Ziel uKiB

Ein 53-jähriger Patient kommt mit einer Bizepssehnen-Tendinopathie rechts, bestehend seit zwei Monaten.
Die Beschwerden treten vor allem beim Anheben des Arms mit Gewicht (z. B. Tasche) und bei Supinationsbewegungen auf.

Bisher hat der Patient selbstständig Front Raises, Lateral Raises und Aussenrotationstraining durchgeführt – jedoch ohne Besserung.
Jetzt braucht es einen neuen Ansatz: Weg von isolierten Muskelübungen, hin zu unbewusster Körperkontrolle in Bewegung (uKiB).  Zwei bewährte Methoden sind:

„Spiegeln“: Neurophysiologische Bahnung durch Imitation

Beim Spiegeln macht der Patient deine Bewegungen zeitgleich nach. Der mögliche therapeutische Effekt basiert auf der Aktivierung des Spiegelneuronensystems (MNS): Die reine Beobachtung einer Handlung löst eine muskelspezifische corticospinale Erregbarkeit (motorische Resonanz) aus, die den motorischen Lernprozess im Gehirn unmittelbar bahnt und unterstützt [10,11,12].

Durch die Anweisung „Bleib synchron!“ wird ein externer Fokus erreicht. Ein solches extern getaktetes Training ist ideal, um Reaktionsfähigkeit, Tempo und die motorische Funktion zu verbessern, ohne dass der Patient den Fokus auf das schmerzende Gelenk legt. Ein Beginn mit schmerzfreien Bewegungen ermöglicht es, Vertrauen in die eigene Bewegungskompetenz aufzubauen. Im Anschluss daran sollte durch das neuroplastische Training eine Verbesserung der Symptomatik erzielt werden können.

Volley-Ballon

Ein Ballon wird hin und her gespielt.
Die Aufgabe lautet nicht „Schulter stabilisieren“, sondern: „Lass den Ballon nicht fallen.“

So entsteht selbstorganisierte Schulterkontrolle in einer kinetischen Kette – flüssig, variabel und alltagsnah. Man könnte diese Übungen auch als Gamification bezeichnen, solche Übungen beeinflussen die Motivation positiv [11].

Diese Beispiele zeigen: Ob Rumpf oder Schulter – das Prinzip bleibt gleich. uKiB bedeutet, dem Körper die Gelegenheit zur Selbstorganisation zu bieten. Unser Job ist, die richtigen Bedingungen (Constraints) dafür zu schaffen.

Dosierung bei uKiB-Übungen

Die Dosierung des uKiB-Ansatzes weicht grundlegend von traditionellen, quantitativen Trainingsmodellen ab. Die Dosierungsparameter basieren eher auf kognitiver statt auf muskulärer Ermüdung.

Bei uKiB-orientierten Übungen zählt hauptsächlich der Fokus des Kunden: Aufmerksamkeit ist das neue Set.

  • Aufmerksamkeit: Überfokus: „Denken“ statt Handeln – der Patient „denkt“ oder kontrolliert, kurz unterbrechen – dann neue Aufgabe oder Reiz.
  • Wiederholungen: lieber mehrere kurze, abwechslungsreiche Serien als starre Sets.
  • Variabilität: Übung leicht verändern – Tempo, Richtung, Umgebung, Fokus.

Die therapeutische Beobachtung des Therapeuten muss hierbei als Echtzeit-Biofeedback-System dienen: Solange der Patient variable, selbstorganisierte Lösungen findet, ist der Reiz optimal. Fällt der Patient in starre, explizit kontrollierte Muster zurück, muss die Aufgabe oder die Störung angepasst oder kurz unterbrochen werden.

Merke:
uKiB entsteht nicht durch Quantität, sondern durch Qualität der Erfahrung.
Bewegung wird gelernt, nicht gezählt.

Beobachtung: Woran du Fortschritt erkennst

Achte auf Veränderungen im Verhalten:

  • Wichtig: Verändert sich die Sprache („Ich kann“ statt „Muss ich?“). Respektive der Patient sagt gar nichts. Er bewegt sich einfach und hat Spass.
  • Wird der Bewegungsfluss natürlicher, weicher, fliessender?
  • Nimmt Spannung ab, Koordination zu?
  • Entsteht Vertrauen in Bewegung, auch unter Ablenkung?

Wenn du diese Zeichen siehst, ist uKiB auf gutem Weg.

Fazit: Selbstorganisation statt Instruktion

uKiB ist kein theoretisches Konzept, sondern das Ziel, das den Weg zurück zur Selbstverständlichkeit des Bewegens ergibt.
Wer das versteht, therapiert nicht Muskeln – sondern das adaptive, dynamische System Mensch.

Kurz gesagt: uKiB entsteht durch Erfahrung, nicht durch Anweisung.

Nächster Blog: Vertrauen in den Prozess

Viele Patienten erwarten jedoch eine präzise Anleitung. Daher benötigt uKiB Aufklärung und die Bereitschaft, sich auf diesen Prozess einzulassen – sowohl auf der Patientenseite als auch beim Therapeuten. Dazu mehr im nächsten Blog auf SART.

Austausch erwünscht!

Gibt es in deinem Alltag Situationen, in denen es dir schwerfällt, den Übergang von bewusster zu unbewusster Bewegung herzustellen? Wenn ja, wann passiert das und warum denkst du, dass es so ist?

Teile deine Gedanken (auch Kritik) oder Themenideen jetzt hier in den Kommentaren – wir greifen sie gerne in einem unserer nächsten Blogbeiträge auf.


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Literatur

[1] Schwab-Farrell, S. M., Mayr, R., Davis, T. J., Riley, M. A., & Silva, P. L. (2025). Destabilising the norm: A critical experimental approach to move physiotherapy beyond movement “normalisation”. In P. Thille, C. Hebron, R. Galvaan, & K. S. Groven (Eds.), Inviting movements in physiotherapy: An anthology of critical  scholarship (pp. 90–112). Critical Physiotherapy Network and College of Rehabilitation Sciences, University of Manitoba. https://doi.org/10.82231/S8HA-YK54

[2] Fullen BM, Wittink H, De Groef A, et al (2023) Musculoskeletal Pain: Current and Future Directions of Physical Therapy Practice. Archives of Rehabilitation Research and Clinical Translation 5:100258. https://doi.org/10.1016/j.arrct.2023.100258

[3] Jeong YH, Healy LC, McEwan D (2023) The application of Goal Setting Theory to goal setting interventions in sport: a systematic review. International Review of Sport and Exercise Psychology 16:474–499. https://doi.org/10.1080/1750984X.2021.1901298

[4] Rodríguez-Perea Á, Reyes-Ferrada W, Jerez-Mayorga D, et al (2023) Core training and performance: a systematic review with meta-analysis. bs 40:975–992. https://doi.org/10.5114/biolsport.2023.123319

[5] Lederman E (2010) The myth of core stability. Journal of Bodywork and Movement Therapies 14:84–98. https://doi.org/10.1016/j.jbmt.2009.08.001

[6] Gokeler A, Neuhaus D, Benjaminse A, et al (2019) Principles of Motor Learning to Support Neuroplasticity After ACL Injury: Implications for Optimizing Performance and Reducing Risk of Second ACL Injury. Sports Med 49:853–865. https://doi.org/10.1007/s40279-019-01058-0

[7] McGill SM, Karpowicz A, Fenwick CM, Brown SH (2009) Exercises for the Torso Performed in a Standing Posture: Spine and Hip Motion and Motor Patterns and Spine Load: Journal of Strength and Conditioning Research 1. https://doi.org/10.1519/JSC.0b013e31818efcb3

[8] Mew R (2009) Comparison of changes in abdominal muscle thickness between standing and crook lying during active abdominal hollowing using ultrasound imaging. Manual Therapy 14:690–695. https://doi.org/10.1016/j.math.2009.05.003

[9] Davies M, Owen R, Gottwald V, Singh H (2024) Harnessing the power of attention: Exploring “focus of attention” theories, practice, and myths. In: Myths of Sport Performance, 1. Sequoia Books

[10] Zhang B, Kan L, Dong A, et al (2019) The effects of action observation training on improving upper limb motor functions in people with stroke: A systematic review and meta-analysis. PLoS ONE 14:e0221166. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0221166

[11] Keller A (2020) Einfluss der Imitation von Bewegungen im Vergleich zur verbalen oder autodidaktischen Übungsanleitung: Randomisierte kontrollierte Studie. manuelletherapie 24:29–35. https://doi.org/10.1055/a-1080-8021

[12] Pomelova E, Feurra M, Nikulin V, et al (2025) Is there a link between motor learning and mirror neuron system: TMS study. Front Hum Neurosci 19:1650152. https://doi.org/10.3389/fnhum.2025.1650152

[13] Steiner B, Elgert L, Saalfeld B, Wolf K-H (2020) Gamification in Rehabilitation of Patients With Musculoskeletal Diseases of the Shoulder: Scoping Review. JMIR Serious Games 8:e19914. https://doi.org/10.2196/19914

 


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